Am Highway zu den Special Olympics World Winter Games 2017

Wenn Menschen aufeinandertreffen, entstehen oft Freund- oder Partnerschaften – in besonderen Fällen manchmal auch Ortspartnerschaften. Das Host Town Programm im Vorfeld der Special Olympics World Winter Games Austria 2017 (SOWWG2017) in der Steiermark bringt auf spezielle Weise Menschen und Orte zusammen.

 

Lieboch, Marktgemeinde südwestlich von Graz und San Marino, Zwergstaat im nördlichen Mittelitalien etwa 20 Kilometer entfernt von Rimini. Lieboch schmiegt sich ins sogenannte Liebochtal. Die Hauptstadt von San Marino, etwa 400 Kilometer Luftlinie und sechseinhalb Stunden Fahrzeit entfernt, thront majestätisch auf einem Felskamm. Durch das Special Olympics-Host Town Programm rücken diese beiden Orte nun näher zusammen, denn von 14. bis 16. März 2017 wird die Delegation aus San Marino in der weststeirischen Gemeinde weilen.

 

Herzlichkeit und Menschlichkeit

Mit dem Host Town Programm sollen „den Athletinnen und Athleten die schönsten Seiten unserer Heimat“ gezeigt werden, heißt es auf der Website der SOWWG2017. „Begegnungen der ganz besonderen Art zu ermöglichen“ sei das Ziel. Jürgen Hübler, Vizebürgermeister von Lieboch, wird als Volunteer bei den Spielen selbst im Einsatz sein. Daher sei es als Sportausschussobmann von Lieboch auch sein Wunsch gewesen, „dass wir das Host Town Programm mitmachen“. Ihm persönlich gehe es „um die Herzlichkeit und die Menschlichkeit“. So eine Veranstaltung wie die Special Olympics World Winter Games Austria 2017 werde man hier nicht so schnell wieder miterleben können. Liebochs Bürgermeister Stefan Helmreich ergänzt: „Über das Host Town Programm können wir einerseits etwas zur Idee der Special Olympic World Winter Games beisteuern, aber es ist auch eine gute Möglichkeit, sich als Gemeinde zu präsentieren“.

  

Von weißen Pferden zu weißen Pisten

Empfangen wird man die Delegation aus San Marino in der dritten Märzwoche. Am 14. März kommen die vier Athleten, drei Trainer und die Delegationsleitung in Lieboch an. Dann werde man gemütlichim Café Highway Bed & Breakfast einchecken, durch den Ort spazieren und Essen gehen. Café Highway: Ein symbolischer Name für die Unterkunft der Athleten und deren Anreise: über Highways von San Marino zur Zwischenstation Café Highway in Lieboch und dann weiter über Autobahnen zu den weißen Pisten in der Obersteiermark.

Am nächsten Tag ist ein Ausflug zum bekannten Lipizzanergestüt Piber mit seinen schneeweißen Pferden in der Weststeiermark geplant. Die Gestütsführungen seien, so Hübler, für alle Special Olympics-Delegationen gratis. „Das ist schon alles arrangiert und durchgeplant. Die Headsets mit italienischer Übersetzung habe ich schon reserviert“, erzählt er im Interview. Später veranstaltet die Gemeinde einen traditionellen Abend „mit Volksmusik, Musikschule, Volkstanzgruppe und vielleicht einem Chor.“ Am 16. März wird die san-marinesische Delegation nach Schladming reisen, wo zwei Tage später die Eröffnungsfeier zu den 11. Special Olympics World Winter Games stattfindet. 

Gemeinsam mit Eva Maria Theiler, Obfrau des Liebocher Sozialausschusses, wird Jürgen Hübler für das Wohl der Gäste während ihres Aufenthalts in Lieboch sorgen. Für Theiler sei es besonders interessant, Menschen mit Beeinträchtigung aus einem anderen Land kennenzulernen. „Auch der Umgang miteinander wird spannend sein“, sagt sie. Ins gleiche Horn stößt auch Barbara Frisoni, die Delegationsleiterin und Vorsitzende der Special Olympics San Marino: „Wir wissen, dass Lieboch eine kleine, nette Gemeinde mit wenigen tausend Einwohnern ist. Das gefällt uns sehr. Dadurch können wir noch mehr die Wärme der Leute spüren und wir werden die Möglichkeit haben, uns besser kennenzulernen“, sagt sie.

 

Heartbeat for inclusion – Heartbeat for the world

Entsprechend diesem Motto der Special Olympics steht der traditionelle Abend am 15. März ganz im Zeichen der Inklusion, denn es sollen auch der Kindergarten und die Volksschule von Lieboch eingebunden werden. „Ich freue mich, dass Menschen am Rande der Gesellschaft in den Mittelpunkt gestellt werden“, sagt Theiler. Sie selbst habe einen behinderten Sohn und wisse, „wie stolz und freudig behinderte Menschen sind, wenn ihnen etwas gelingt oder etwas gewürdigt wird“. Auch abseits der Special Olympics sei Inklusion ein wichtiger Schwerpunkt. „Mit der Werkstätte der Lebenshilfe ist dieses Thema in Lieboch bereits seit längerem Bestandteil des öffentlichen Lebens. Von verschiedenen Vereinen und Institutionen wird bereits eine rege Zusammenarbeit gepflegt“, sagt Bürgermeister Stefan Helmreich. 

 

Vorfreude in San Marino

„Wir sind sehr aufgeregt. Hier in San Marino sind wir sehr bekannt, weil Special Olympics gemeinsam mit unserem Verein Federazione Sammarinese Sport Speciali die größte Bewegung ist, die sich um Menschen mit mentaler Beeinträchtigung kümmert“, sagt Frisoni. Die Mission von Special Olympics sei es, den Athleten die Möglichkeit zu geben, sich sowohl körperlich als auch geistig weiterzuentwickeln. Man wolle ihnen ihren Mut und ihre Fähigkeiten vor Augen führen, erklärt die Delegationsleiterin.

In San Marino bereiten sich die Athleten Ruggero Marchetti und Thierry Mancini (25 und 21, beide Ski Alpin), Stefano Gianessi (48, Langlauf) und Marco De Angelis (36, Schneeschuhlauf) seit etwa einem Jahr auf die SOWWG2017 vor. Im März werden die vier Athleten bei Bewerben in der Ramsau und in Schladming antreten. Zweimal wöchentlich steht für die Sportler Indoor-Training auf dem Programm. Seit Dezember arbeiten sie auf den Skipisten in Folgaria, Trient, gemeinsam mit Alpin Ski-Cheftrainer Leonardo Sulsente auf die Special Olympics hin. Sulsente, der an der Universität von Verona Kommunikationswissenschaften studiert hat, ist Skilehrer an der Scie di Passione, einer Trentiner Skischule. Unter dem Motto „La neve é per tutti!“ („Der Schnee ist für alle da!“) lernen dort Kinder und Erwachsene mit körperlicher und intellektueller Beeinträchtigung Skifahren.

 

Vorfreude in der Host Town

In Lieboch sind die Erwartungen ebenfalls groß. „Ich freue mich schon irrsinnig auf die Veranstaltung“, sagt Hübler, der sich für die SOWWG2017 extra Urlaub nimmt. „Vor allem die Geschichten der Menschen, die dahinterstehen“, streicht Hübler hervor: „Das ist eigentlich für mich das Wichtigste.“ „Die Special Olympics World Winter Games sind für mich ein Regulativ, eine Erdung. Während gesunde Sportler Hundertstelsekunden nachjagen und dabei ihre Gesundheit riskieren, haben die Sportler von Special Olympics das Mitmachen-Können und die Freude am Tun und Dabeisein in ihren Herzen“, sagt Theiler.

 

Gespräche über Partnerschaften

Wenn die san-marinesische Delegation von Lieboch nach Schladming aufbricht, um ihre Anstrengungen während des Vorbereitungsjahres in die Praxis umzusetzen, ist das Host Town Programm beendet. Jedoch „vielleicht ergibt sich in Zukunft etwas, dass San Marino unser Partnerland wird“, sagt Vizebürgermeister Hübler. Auch Theiler und Helmreich können diesem Gedanken etwas abgewinnen. „Mein erster Gedanke war eine Städtepartnerschaft anzustreben“, sagt Theiler. Offiziellen Kontakt gebe es noch nicht, man warte, bis man die Gäste kennengelernt habe, ergänzt Bürgermeister Helmreich. Derzeit habe man nur eine Städtepartnerschaft mit der kroatischen Stadt Ilok, „da wäre es durchaus vorstellbar, Gespräche zu führen.“ Vertiefende Kontakte wären auch für Barbara Frisoni denkbar. „Nach Lieboch und zu den SOWWG2017 kommen wir mit einer großen Erwartung“, freut sich die Delegationsleiterin. Man wolle Freundschaften schließen und Personen aus aller Welt treffen.

 

„Sich fühlen wie ein Star“

Von Jänner bis März 2017 werden die Sportler oft im Fernsehen und in den Zeitungen zu sehen sein. Das sei besonders wichtig, denn die Sportler können uns allen zeigen, dass nichts unmöglich sei. „Im Vergleich zu anderen Ländern ist unsere Delegation sehr klein. Trotzdem unterstützen und ermutigen viele Personen unsere Athleten, sodass sie sich manchmal wie ein Star fühlen“, sagt Frisoni. Beim Host Town Programm und bei den Special Olympics World Winter Games Austria 2017 werden diese Athleten wirklich die Stars sein.

 

Text und Fotos: Alina Neumann (FH Joanneum)

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